Wenn die Energie fehlt – trotz „eigentlich ist doch alles gut“
Wenn die Energie fehlt.
In letzter Zeit höre ich in meinen Mentorings und Coachings immer öfter Sätze wie diese:
„Eigentlich geht es mir gut – aber ich fühle mich trotzdem oft so schlapp.“
„Ich habe das Gefühl, als hätte ich früher mehr Energie gehabt. Was ist nur los mit mir?“
Ich möchte in diesem Blog gerne mehr zum Thema Energie sagen, denn so viele wünschen sich mehr davon. Ich möchte gerne erklären, wie Energie eigentlich ganz biologisch entsteht, und natürlich auch, was sie aus yogischer Sicht bedeutet.
Denn ein Mangel an Energie ist ja keine Einbildung, sondern meistens gibt es echte Signale des Nervensystems und des Körpers, die sehr klar darauf hinweisen. Und sie haben eine wissenschaftliche Grundlage.
Was Energiemangel wirklich bedeutet
Energiemangel ist kein subjektives Gefühl, sondern ein biologisches Phänomen. Es wird jetzt etwas erklärend, edukativ, wie es heute so schön heisst, und das ist Absicht. Damit du ein Verständnis bekommst, was sich in dir, in deinem Körper, in deinen Zellen abspielt. Denn dann kannst du etwas dafür oder dagegen tun.
Fatigue: Immer müde.
In der Medizin wird ein anhaltender, nicht proportionaler Erschöpfungszustand als Fatigue beschrieben.
Das heißt:
Körperliche und geistige Leistungsfähigkeit ist reduziert, selbst wenn keine akute Belastung vorliegt – und er bessert sich nicht einfach durch Schlaf.
Ein Blick auf deine Energieproduktion erklärt viel davon:
Dein Gehirn kann Energie nicht speichern – es ist auf eine konstante Versorgung angewiesen. Wenn die mitochondriale ATP-Produktion sinkt, spüren wir das sofort: Konzentrationsprobleme, „Gehirnnebel“, Gedächtnislücken, Reizbarkeit.
👉 Die mitochondriale ATP (Adenosintriphosphat) *-Produktion beschreibt den Prozess, mit dem deine Zellen Energie herstellen. ATP ist die „Währung“, mit der jede Zelle Energie bezahlt.
Alles, was Energie braucht – Muskelbewegung, Denken, Nervenimpulse, Hormonproduktion, Regeneration – läuft nur, wenn ausreichend ATP vorhanden ist.
Ist zu wenig ATP da, fühlt sich das nicht wie ein technisches Problem an, sondern wie Müdigkeit, Erschöpfung, Konzentrationsschwierigkeiten oder innere Leere.Die Mitochondrien sind so etwas wie kleine Kraftwerke: Sie wandeln Sauerstoff und Nährstoffe in ATP um – den Treibstoff, den dein Körper für Bewegung, Denken, Regeneration und emotionale Stabilität braucht. Wenn die Mitochondrien durch Stress, Schlafmangel oder Daueranspannung weniger ATP produzieren, fühlt sich das wie Energiemangel an – körperlich, mental und emotional.
Stress aktiviert das Nervensystem: Sympathikus wird länger aktiv, der Parasympathikus kommt nicht zur Ruhe. Das bedeutet Daueranspannung, permanentes „Bereit sein“ – das zehrt Energie.
Wissenschaftler sprechen in diesem Zusammenhang auch vom Allostatic Load – dem „Verschleiß“, der entsteht, wenn dein System über lange Zeit immer wieder Stressreaktionen durchlaufen muss. Das hat messbare Effekte auf Hormone, Immunsystem, Blutdruck und sogar auf die Struktur deines Gehirns.
Nervensystem, Energie und Gesundheit: ein System
Wenn du dauerhaft in einem aktiven Stressmodus bist, beeinflusst das jeden Bereich deines Erlebens:
1. Körperlich
ständige Müdigkeit
Verspannungen, Schmerzen
Schlafstörungen
Infektanfälligkeit
Herz-Kreislauf-Belastung durch chronische Stressantwort
Chronischer Stress kann den Körper und die Regulation des autonomen Nervensystems so verändern, dass selbst alltägliche Anforderungen Energie rauben.
2. Mental
Brain Fog („Gehirnnebel“)
Konzentrationsprobleme
Entscheidungsunsicherheit
reduzierte kognitive Leistungsfähigkeit
Wenn dein Gehirn fortlaufend Stresshormone produziert, wird weniger Energie für Denkprozesse freigegeben. Das erklärt, warum ein klarer Kopf bei Energiemangel so schwer ist.
3. Seelisch / emotional
innere Leere
geringe Freude
erhöhte Reizbarkeit
Motivationslosigkeit
Energiemangel wirkt wie ein Filter: Er reduziert die Fähigkeit, positive Gefühle zu erleben, weil dein System in einem „Sicherheitsmodus“ gesteckt hat, der Ressourcen priorisiert.
Welche Krankheitsbilder sind damit verbunden?
Energiemangel kann Teil oder Vorbote verschiedener Zustände sein, darunter:
Fatigue-Syndrom (chronische Müdigkeit ohne proportionalen Auslöser)
Chronische Erschöpfung bei Stress-Assoziation (körperlich & mental)
Depressive Verstimmungen (Stress-Immunsystem-Achse, Hormone)
Angststörungen (Stressreaktion und Nervensystem)
Muskuloskelettale und gastrointestinale Symptome durch Stress-Nervensystem-Einfluss
Wichtig: Es geht nicht immer um eine „Krankheit“, sondern oft um fehlende Regulation und Überforderung des Nervensystems.
Die Regulation des Nervensystems bedeutet, dass dein Körper zwischen Anspannung und Entspannung flexibel wechseln kann – und genau diese Fähigkeit ist entscheidend dafür, ob du dich energievoll, klar und innerlich stabil fühlst oder dauerhaft erschöpft und überfordert.
5 praktische Wege, Energie zurückzugewinnen
Ich spreche hier nicht von Motivationstipps, sondern von wirkungsvollen Hebeln, die auf die Energieproduktion und dein Nervensystem wirken.
🌿 Bewusstheit über dein System
Wenn du erkennst, wo Energie gezogen wird – durch innere Blockaden, Überforderung, falsche Prioritäten – kannst du beginnen, sie bewusst zurückzuholen. Bewusstheit ist kein „Kopf-Tool“, sondern ein Regulationswerkzeug für dein Nervensystem.
🌿 Atemarbeit & Parasympathikus aktivieren
Die Atmung ist der direkte Zugang zum autonomem Nervensystem. Langsame, tiefe Atmung senkt den Sympathikus und aktiviert den Parasympathikus – was echte Erholung ermöglicht. Diese Art der Regulation ist wissenschaftlich belegt und wirkt schnell.
🌿 Yoga – mehr als Bewegung
Yoga ist Energiearbeit:
es beruhigt den Sympathikus
es stärkt parasympathische Aktivität
es verbindet Körperempfinden und Präsenz
Dadurch wird nicht nur Dein Körper flexibler, sondern das gesamte Nervensystem neu justiert.
🌿 Natur & einfache Bewegung
Ein Spaziergang in der Natur ist kein „Nice-to-have“ – er wirkt auf das vegetative Nervensystem, reduziert Cortisol, entschleunigt den Atem und verbessert die Stimmung. Es gibt Studien, die zeigen, dass Naturkontakt die Stressreaktion messbar reduziert (z. B. endokrine Marker, Herzrate).
🌿 Körperliche Pflege
Duschen, warme Bäder, bewusstes Innehalten – diese einfachen Rituale signalisieren dem Nervensystem Sicherheit. Das reduziert Allostatic Load und ermöglicht, dass Energie nicht dauerhaft im Alarmmodus gebunden bleibt.
Wenn dir Energie fehlt und du dich erschöpft und wenig leistungsfähig fühlst, ist das also ganz sicher kein „Weichei-Problem“.
Ganz im Gegenteil ist es ein klares Zeichen deines Systems, hinzuschauen. Es ist ein neurobiologisch belegtes, körperlich messbares, lebensrelevantes Thema.
Wenn das Nervensystem ständig in einem Alarmzustand ist, fehlt schlicht die Energie für alles andere – auch für das, was dir wirklich wichtig ist.
Das wäre schade.
Schau hin: Lass dich vielleicht einmal durchchecken, mach zum Beispiel eine Blutanalyse, und achte mehr darauf, was dir guttut - und was nicht. Und Letzteres reduzierst du. So einfach ist es.
Je besser du dich kennst, desto besser weisst du, was du brauchst und wie es dir gelingt, deinen Energielevel dauerhaft zu heben.
#itsnowornever