“Aufschieberitis” – vom Aufschieben, Anfangen und Atmen

Anfangen, Weiterentwickeln, Meditation, Yoga, Entspannung
Everything begins with the first step

 

Ja, ich gebe es zu. Ich gehöre auch zu denen, die mit dem Anfangen hadern. Es hapert nicht an schillernden Ideen, sogar deren detaillierte Ausführungen finden in meinem Kopf Platz. Ich sehe mich zum Beispiel am Schreibtisch in die Tasten hauend, wie eine Maschine einen Text nach dem anderen spielend verfassend und ihn stolz veröffentlichen.

Und dann? Ja dann. Dies noch und das noch erledigen und dann ist der Tag, schwuppdiwupp, vorbei. Das Wesentliche ist auf der Strecke geblieben und ich bin frustriert. Kennst Du das?

Warum fällt es uns so schwer, mit etwas anzufangen? Was hindert uns?

Die einfache Antwort: wir selbst. Meistens schwindet das Selbstvertrauen so schnell wie es gekommen ist, ein beständiges Auf und Ab. Weil wir grübeln, unsere eigenen Ideen wieder und wieder in Frage stellen, es natürlich perfekt machen wollen, wir uns fragen, was die Leute wohl davon halten, ob wir wirklich gut genug sind, wir uns nicht lächerlich machen und so weiter und so fort. Eine unendliche Geschichte. Unser Hirn vollbringt wahre Meisterleistungen darin, einen inneren Dialog der Extraklasse ganz ohne reelle Personen zu führen. Einige unserer inneren Protagonisten hätten in Hollywood längst einen Oscar bekommen, so realitätsnah spielen sie sich in unseren Verstand.

Unser Geist tendiert zur Ruhelosigkeit. Es gehört zu seinen Lieblingsbeschäftigungen, uns gedanklich ständig auf Trab zu halten. Die gute Nachricht: Du bist nicht allein. Denn nicht umsonst gibt es Entspannungsübungen wie autogenes Training, progressive Muskelentspannung, Yoga oder Meditation, die alle dasselbe Ziel verfolgen. Sie tragen dazu bei, die Gedanken zu beruhigen und gelassener zu werden. Haben wir einmal begriffen, dass der Geist nur mit uns spielen möchte, können wir dem bunten Treiben mit einer anständigen Portion Humor und Gelassenheit begegnen. Mit dem erfreulichen Ergebnis, dass uns Manches schlichtweg nicht mehr ruhelos macht.

Im Gespräch mit dem eigenen Geist

 

Ich möchte Dich zu einem Experiment einladen. Es dauert 14 Tage und kostet Dich pro Tag nicht mehr als 10 Minuten. Du darfst dafür morgens im Bett liegen bleiben, Dich darin aufsetzen oder aufstehen und Dich auf einen Stuhl oder Deine Yogamatte setzen. Morgens ist der Geist noch träge, er kommt erst mit der Zeit in Fahrt, darum eignet sich die Zeit direkt nach dem Aufwachen am besten für die Übung.

In der ersten Woche hälst Du jeden Morgen direkt nach dem Aufwachen einen Moment inne und konzentrierst Dich nur auf Deinen Atem. Du atmest ganz entspannt, in Deinem eigenen Rhythmus ein und aus: einatmen, ausatmen. Mach nur das. Vermutlich lässt Dein Spielkamerad “Geist” nicht lange auf sich warten: Gedanken tauchen auf, vielleicht an den Tag, an all das, was Du erledigen musst. Sag Dir nun: das ist ok. Die Gedanken dürfen da sein – und ich lasse sie ziehen. Stell Dir eine Wolke am Himmel vor, auf die Du den Gedanken setzt, sie leicht anstuppst und sie ihres Weges ziehen lässt.

 Nur wenn wir losgehen, können wir ankommen

 

In der zweiten Woche wirst Du bereits viel besser darin sein, Dich nicht von Deinen Gedanken treiben zu lassen. Mit dem ruhigen Geist nimmst Du Dir für jeden Tag eine kleine (und ich meine KLEINE) Sache vor, die Du heute erledigen willst, um Deinem großen Ziel ein Stück näher zu kommen. Wenn Du etwa damit anfangen möchtest, Dich gesünder zu ernähren, fang damit an, ein warmes Glas Wasser mit Ingwer oder Zitronensaft morgens gleich nach dem Aufstehen zu trinken. Oder iss statt Vollmilchschokolade ein Stück Zartbitter-Schokolade mit hohem Kakaoanteil.

Es sind die kleinen Schritte, die uns letztlich ans Ziel bringen. Und die Disziplin, die kleinen Schritte jeden Tag zu machen.

Alles beginnt mit dem ersten Schritt. Mag er auch noch so klein sein.

Übrigens hat das Anfangen noch einen sehr schönen Nebeneffekt: Du wirst stolz auf Dich sein und Dich gut fühlen, weil Du etwas geschafft hast. Dabei ist es nebensächlich, wie groß oder klein der Schritt war, bei Deinem Unterbewusstsein kommt an, dass Du es gemacht hast.

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