Im Hier und Jetzt

Einfach mal den Moment leben. Einfach? 

Heute nach der Yogastunde kam eine junge Frau auf mich zu. Sie schaute mich an und erklärte, wie viel ihr ein Satz bedeutet hat, den ich gesagt hatte. Sie hatte vor ein paar Tagen etwas erlebt, das sie mir erzählen wollte.

“Was bereits war ist vergangen, was morgen kommt, wissen wir nicht, fokussieren wir unsere Gedanken auf das Hier und Jetzt”. 

 

Das Leben im Hier und Jetzt hört sich erst einmal einfach an. Klar, wir leben im Hier und Jetzt, wo auch sonst. Aber jetzt einmal Hand aufs Herz: was machen Deine Gedanken gerade? Konzentrierst Du Dich gerade wirklich voll auf das Lesen dieses Textes? Oder liegt neben Dir Dein Handy, auf das Du, klar, ab und zu einen Blick wirfst? Könnte ja sein, dass gerade jetzt jemand schreibt. Stop. Das ist nicht Hier und Jetzt. Das ist Zukunft. Vielleicht hast Du den Satz gelesen und augenblicklich hast Du Dich an eine Situation erinnert, in der Dir das Sein im Hier und Jetzt gelungen oder auch nicht gelungen ist. Was ist das? Richtig, das ist Vergangenheit.

Das Karussell der Gedanken

Unser Geist lockt uns ständig dazu, mit Gedankenkonstrukte zu spinnen. Unsere Gedanken kreisen meistens um die Zukunft oder um die Vergangenheit. Selten um das Hier und Jetzt.

Manche Erlebnisse können wir nicht so schnell los lassen. Ein unangenehmes Zusammentreffen mit einem Kollegen etwa, ein Satz, der gesessen hat. Und Du warst so perplex, dass Du noch nicht einmal schlagfertig darauf reagieren konntest. Und jetzt kreisen die Gedanken immer noch, Du ärgerst Dich und zermarterst Dir den Kopf: Hätte ich doch bloss etwas gesagt! Warum habe lasse ich mir das gefallen von diesem Fiesling? Wieso war ich schon wieder nicht schlagfertig genug? Was bildet der/die sich eigentlich ein? Und so weiter. Das ist normal. Die Kunst besteht nun darin, sich des Spiels bewusst zu werden.

Manchmal belasten wir uns mit Zukunftssorgen und denken permanent an die berühmten “ungelegten Eier”. Ereignisse, die sich Morgen, diese Woche, in Monaten oder auch nie ereignen könnten. Achtung: wir wissen nicht, was uns die Zukunft bringt. Das können wir gar nicht. Du weißt also nicht, was in der Zukunft sein wird, noch nicht einmal, was in den nächsten zehn Minuten geschehen wird. Wäre es dann nicht viel entspannter, die Zukunft Zukunft sein zu lassen? Und sich nicht zu überlegen, wie schrecklich oder schön oder langweilig oder spannend oder beängstigend all diese zukünftige Ereignisse sein könnten? Warum nicht einfach denken: ok, ich weiß nicht, was kommen wird,doch ich weiß, was HIER und JETZT ist, denn ich bin dabei.

Zufrieden sein im Hier und Jetzt 

Nimm wahr, was Deine Gedanken tun. Für sie ist es ein Spiel, und das kannst Du durchschauen. Durch das was wir jetzt tun, kannst Du sowohl die Vergangenheit als auch die Zukunft positiv beeinflussen. Wenn Du das schaffst, lösen sich Deine vermeintlichen Sorgen vor dem, was einmal war und vor dem, was einmal kommen mag, wie von selbst auf.

Wenn wir das begreifen, sind Dinge nicht mehr belastend oder beängstigend, wir werden zufrieden, mit dem was ist. Und dankbar.

Probier es aus, wenn Dein Gedankenkarussell das nächste Mal in Fahrt kommen will. Sag laut zu Dir: Stop! Was war, ist vergangen und was kommt, kann ich nicht wissen, darum fokussiere ich meine Gedanken auf das Hier und Jetzt, diesen Moment. Atme dabei tief ein und aus, konzentrier Dich auf Deinen Atem und schließ für einen, diesen Moment, Deine Augen. Dein Atem kann Dein Anker sein – er fließt immer genau jetzt, in diesem Moment.

Die Geschichte meiner Yogaschülerin ging so: Sie erzählte, dass sie vor einigen Tagen mit ihrer Tochter in ihrer Wohnung saß. Ihre Tochter spielte vor sich hin und sie empfand Dankbarkeit und Freude darüber. Sie dachte an ihre guten Freunde und Freundinnen, die ihr in schwierigen Zeiten Halt gegeben hatten. Und empfand wieder tiefe Dankbarkeit. Schließlich,  während sie aus dem Fenster in den Himmel schaute, dachte sie: eigentlich ist doch alles gut so wie es ist. Eigentlich wirklich.

 

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